
Ich starte gern früh am Schreibtisch. Früh heißt bei mir: halb neun. 🙂
Ich würde ja gern früher anfangen, so gegen acht. Aber das passt gerade nicht in meinen Alltag. Und Nachteule war ich auch mal, heute versuche ich lieber, früher ins Bett zu gehen und abends nicht mehr zu arbeiten.
Warum ich dir das erzähle? Weil auf Social Media gerade wieder überall der 5am Club gepredigt wird: Steh um fünf auf, dann wird das mit der Sichtbarkeit. Ich sage dir heute, warum du das getrost ignorieren darfst und was stattdessen funktioniert.
Die Idee stammt aus dem Bestseller „The 5AM Club“ von Robin Sharma: Wer um fünf Uhr aufsteht, hat eine ungestörte Stunde für sich, bevor die Welt Ansprüche stellt. Klingt verlockend. Und ich will gar nicht behaupten, dass es nie funktioniert.
Meine Beobachtung ist nur: Es funktioniert vor allem dann, wenn du wenige Verpflichtungen hast. Wenn du ungebunden bist, nachts niemand wach wird und morgens keiner ein Pausenbrot braucht, kannst du dich komplett auf dich fokussieren. Dann gehört die frühe Stunde wirklich dir.
Sobald Haushalt und Kinder ins Spiel kommen, kippt die Rechnung. Die Ausnahmen, die es trotzdem schaffen, haben meist massiven Rückhalt vom Partner oder der Partnerin. Für alle anderen bedeutet der Wecker um fünf vor allem eins: noch weniger Schlaf in einem ohnehin vollen Leben.
Das Problem ist also nicht, dass du undiszipliniert bist. Das Problem ist eine Routine, die nur unter Laborbedingungen funktioniert. Wie sich Social Media stattdessen mit einem vollen Kalender verträgt, habe ich im Artikel über den Zeitplan neben Job und Familie aufgeschrieben.
Eine gute Content-Routine hat genau eine Aufgabe: dafür zu sorgen, dass du regelmäßig sichtbar bist, ohne dass dein restliches Leben dafür umgebaut werden muss. Sie passt sich deinem Alltag an, nicht umgekehrt.
Bei mir sieht das so aus: Ich habe mir zwei Tage im Kalender reserviert, einen für Content und einen für Business-Strategie. Klappt das immer? Nein. Aber ich versuche es, und allein der feste Platz im Kalender sorgt dafür, dass Content nicht ständig hinten runterfällt.
Und was ist mit dem schönen Rat „Arbeite, wenn du Energie hast“? Der scheitert in der Praxis regelmäßig. Du hast Coaching-Sessions, Aufträge und Rechnungen, die bezahlt werden wollen. Da kannst du nicht einfach sagen: Heute keine Energie, heute nicht.
Was ich stattdessen mache: Wenn ich spüre, dass mir nach Content-Erstellung ist, und der Arbeitstag lässt es zu, dann nutze ich genau dieses Fenster. Energie ist bei mir kein Planungsprinzip, aber ein Bonus, den ich mitnehme, wenn er da ist.
Gerade wenn meine Kunden mit Social Media durchstarten, empfehle ich keine Batching-Marathons, sondern Micro-Routinen: jeden Tag eine kleine Aktion. So kommst du viel schneller rein, weil die Plattform Alltag wird statt Ausnahmezustand.
Was so eine kleine Aktion ist, hängt vom Netzwerk ab. Auf LinkedIn sind es zum Beispiel ein paar durchdachte Kommentare und eine gezielte Netzwerkanfrage. Auf Instagram eher eine Story oder ein kurzer Beitrag. Dazu passt alles, was zwischendurch geht: eine Content-Idee notieren, wenn sie dir beim Kaffee kommt, oder einen Entwurf anstoßen.
Der Punkt ist nicht, was genau du tust. Der Punkt ist, dass du täglich etwas tust und die Hürde so klein hältst, dass du sie auch an vollen Tagen nimmst. Zehn ehrliche Minuten schlagen den perfekten Vier-Stunden-Block, der nie stattfindet.
Falls du dafür eine fertige Vorlage willst: Meine LinkedIn-Tagesroutine ist im Grunde genau das, eine Micro-Routine mit Struktur.
Genau für diese kleinen täglichen Schritte habe ich das Action-Journal entwickelt: 30 Tage, jeden Tag eine machbare Sichtbarkeits-Aktion zum Abhaken.
Zum Action-JournalMicro-Routinen sind der Einstieg, aber nicht das Endziel. Sobald du Routine hast und weißt, welche Formate dir liegen, empfehle ich den Wechsel zu festen Content-Tagen: ein Block im Kalender, in dem mehrere Beiträge am Stück entstehen.
Der Vorteil: Du bleibst im Arbeitsfluss, statt dich zehnmal pro Woche neu reinzudenken. Wie Batching, Recycling und andere Zeitspar-Methoden im Detail funktionieren, findest du in meinen 7 Strategien für Content-Marketing mit wenig Zeit und im Content-Recycling-Leitfaden.
Und dann gibt es noch die wichtigste Regel von allen: Letztlich muss jede und jeder den eigenen Weg finden, mit dem Content am produktivsten entsteht. Meine Kalender-Tage sind mein Weg. Deiner darf ganz anders aussehen, solange er eines ist: wiederholbar.
Der 5am Club ist keine Zauberformel, sondern eine Routine für Menschen mit sehr viel Gestaltungsfreiheit am Morgen. Wenn du die nicht hast, liegt das Problem nicht bei dir.
Starte mit einer täglichen Mini-Aktion und wechsle zu festen Content-Tagen, wenn du drin bist. Ob du dabei um sechs, um halb neun oder um 22 Uhr am sichtbarsten bist, entscheidet dein Leben. Meins hat sich übrigens gegen die Nachtschichten entschieden, und die Reichweite hat es nicht gemerkt.
Wenn du gemeinsam mit mir auf deinen Alltag schauen willst, um deine Routine zu finden: Genau solche Fragen klären wir auch im Instagram-Coaching.
Wie sieht deine Content-Routine gerade aus, eher Häppchen oder Blöcke? Schreib es mir gern.
Im Sparring nehmen wir uns deinen Alltag vor und bauen eine Content-Routine, die du auch in vollen Wochen durchhältst.
Zum SparringDer 5am Club geht auf das gleichnamige Buch von Robin Sharma zurück. Die Idee: Wer um 5 Uhr morgens aufsteht, gewinnt eine ungestörte Stunde für Sport, Reflexion und Weiterentwicklung. Für Selbstständige mit Familie oder vollen Kalendern ist das Konzept meist unrealistisch.
Micro-Routinen sind kleine tägliche Content-Aktionen von wenigen Minuten: ein durchdachter Kommentar, eine Netzwerkanfrage, eine notierte Idee oder eine kurze Story. Sie eignen sich besonders für den Einstieg, weil die Hürde klein bleibt und Social Media schneller zur Gewohnheit wird.
Es gibt keine allgemein beste Tageszeit. Entscheidend ist, wann dein Alltag verlässlich ein Zeitfenster hergibt und wann du konzentriert arbeiten kannst. Wichtiger als die Uhrzeit ist, dass der Termin regelmäßig stattfindet.
Starte kleiner, als du denkst: eine tägliche Mini-Aktion statt großer Pläne. Reserviere später einen festen Content-Tag im Kalender und erwarte nicht, ihn immer einzuhalten. Eine gute Routine erkennst du daran, dass du nach chaotischen Wochen wieder einsteigst.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026